Vor kurzem hat ein großer Kaffee-Röster eine Werbekampange unter dem Motto “Jedem das Seine” gestartet und dabei nicht bedacht, dass dieser Spruch am Eingangstor des KZs Buchenwald stand. RTL hat das heute auf unentschuldbare Weise getoppt.
Natürlich gebietet es der Respekt vor den Opfern, seine Werbung nicht auf Sprüchen aufzubauen, die im direkten Zusammenhang zu dem Leid und den Tod von Millionen von Menschen stehen. Der Werbeagentur der Kaffee-Kampange kann ich diesen Fehltritt aber nachsehen. Die meisten Menschen – mich eingeschlossen – sind geschichtlich nicht bewandert genug, um zu jedem Spruch zu wissen, ob dieser vorbelastet ist (ob googeln hilft?). Die Kampagne wurde gestoppt und die Firma hat sich entschuldigt. Ungeschickt, aber verziehen.
Unverzeihlich allerdings was die RTL Dschungelcamp Moderatorin Sonja Zietlow über den inzwischen rausgewählten Michael sagt:
[…] denn so ausgemergelt und ausgezerrt wie der am Schluss aussah, wir hatten fast befürchtet, die Rote Armee befreit das Camp.Sonja Zietlow (Referenz, ab 3:15)
Hier wird zur Belustigung der Zuschauer auf die Befreiung der Konzentrationslager angespielt und diese auf einen Ort des Hungers reduziert. Unverhohlen, vorsätzlich und ohne jeglichen Respekt vor irgendwem außer der Quote. Die Dschungelcamp-Teilnehmer sind keine Insassen, keine Opfer, sondern B- und C-Promis, die freiwillig und zum erhofften Karrieresprung das Camp besuchen, dieses jederzeit verlassen können, regelmäßig ausreichend Essen bekommen und denen jederzeit eine solide medizinische Versorgung offen steht. Die Millionen aus rassistischen, politischen, oder anderen vagen Motiven industriell vernichteten Menschen hatten dieses nicht.
Ist das grenzenlose Dummheit oder pure Absicht? Ich bin mir nicht sicher.
Update: Die RTL Presseabteilung hat inzwischen geantwortet. (2008-01-19, 13:56)
“Bei ‘Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!’ handelt es sich um eine Livesendung, bei der die Moderationen für Sonja Zietlow und Dirk Bach von einem Autorenteam kurzfristig vor Ort geschrieben werden. Dass die Sprüche dabei oft überspitzt sind, macht ihren Reiz aus. Im Einzelfall mag ein Spruch auch einmal übers Ziel hinausschießen. Damit die Gefühle von Holocaust-Betroffenen zu verletzen, liegt uns jedoch fern.RTL Kommunikation
Applaus. Standardtext und Schwamm drüber? Ich finde die oft überspitzten Sprüche sind keinesfalls witzig und lösen bei mir allerhöchstens Brechreiz aus.
Comments
Bonni (not verified)
2009, January 19 - 14:04
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Obwohl ich zu bedenken gebe:
sumpfschnukkchen (not verified)
2009, January 20 - 19:45
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naja, es wurde ja nicht mit
lipflip
2009, January 20 - 20:25
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“Arbeit macht frei” kennt nun
OdinFK (not verified)
2009, January 19 - 15:53
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Hey Lipflip! Du hast ja
lipflip
2009, January 19 - 16:18
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Ich habe nie behauptet, dass
Ich habe nie behauptet, dass man das nicht mehr sagen darf. Ich halte es schlicht aus Respekt vor den Opfern für vollkommen unpassend für eine große Werbekampange. Das habe ich auch geschrieben.
Den vermeintlichen Witz von Frau Zietlow hingegen halte ich aus den oben dargelegten Gründen für nicht tragbar. Die Steffi hat das inzwischen aus ihrer Sicht konkretisiert und dargelegt, dass durch diesen Vergleich KZs als Ort des Hungers verharmlost werden. Das geht nicht.
OdinFK (not verified)
2009, January 20 - 10:47
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Ich finde Ihr dramatisiert
*Interpretier mir da jetzt nicht rein, die Opfer seien mir egal. Aber diese klaustrophobieverursachende political-correctness-Gesellschaft macht auch nichts besser und schon gar keine Menschen glücklich.lipflip
2009, January 20 - 11:26
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Ich teile deine Meinung ja
Ich teile deine Meinung ja größtenteils. Ich mach der Werbeagentur auch nicht zum Vorwurf, dass sie das verbummelt haben. Wäre mir wie dir genauso passiert und ich möchte auch niemanden diesen Ausspruch verbieten. Ob man ihn allerdings in einer bundesweiten Werbekampange nutzen möchte, ist eine andere Frage. Vielleicht weniger eine moralische, als vielmehr eine Frage des Geschmacks.
Ich erhob den Zeigefinger auch nicht wegen der Werbekampange für die Braune Brühe, sondern wegen des unerträglichen Dschungelmists, dem ich zufällig beim Sport ausgesetzt wurde. Das fand ich widerlich und hier gibt es weder positive Konnotationen, noch irgendwelche Entschuldigungen oder Versehen.
Vielleicht war die Einleitung auch missverständlich oder gar unnötig. Es ging ursprünglich auch nur darum abzugrenzen, dass solche Fauxpas verzeihlich sind und KZ Witze und Verharmlosungen vor einem Millionenpublikum nicht.
sumpfschnukkchen (not verified)
2009, January 20 - 19:53
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hey odin, you know, ich
Svenja (not verified)
2009, January 20 - 16:44
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Hey lipflip! Ich war auch
lipflip
2009, January 20 - 17:22
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Reaktionen sind mir auch nur
Reaktionen sind mir auch nur wenige aufgefallen. Auch weniger in Artikeln, als vielmehr in Kommentaren. Die Pressestelle hab ich einfach mal angefragt. Die Mailadresse hatte ich irgendwo im Netz gefunden.
lipflip
2009, January 21 - 19:02
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http://jetzt.sueddeutsche.de/