Blaues Auge - ma.gnolia Bookmark Desaster

Ich wollte schon seit einiger Zeit darüber schreiben, wie ich meine zahlreichen Bookmarks online verwalte und welche Vorteile sich daraus ergeben. Aus aktuellem Anlass verdrehe ich das mal ins Gegenteil.

Wie so viele hab ich in der letzten Zeit immer mehr Services von meinem lokalen Computer in's Web verlegt. Google Docs für kleine Briefchen, automatische Backups mach ich mit dropbox und für meine Bookmarks nutz(t)e ich ma.gnolia.

Wie WIRED gerade berichtet, hat sich ma.gnolia aber gerade nicht nur ihre Daten, sondern gleichzeitig auch ihre Backups zerschossen. Ihre Daten? Ihre Backups? Es sind natürlich meine Daten und meine Bookmarks, die mit etwas Pech für immer, zumindest aber für ein paar Tage unereichbar sind. Bei Bookmarks wäre ein Datenverlust für mich noch zu verkraften -- mag sein, dass es Leute gibt, die wirklich darauf angewiesen sind --, aber wie sieht eis aus, wenn die gesamte Geschäftskorrespondenz im digitalen Lokus heruntergespült wurde?

Update: Nach über zwei Wochen wurden die Datenrettungsversuche bei ma.gnolia eingestellt. Bookmarks die nicht im google Cache liegen oder via RSS auf andere Seiten exportiert wurden sind damit endgültig futsch. Ich denke, das ist das große Risiko, was uns in der nächsten Zeit beim "Cloudcomputing" erwartet. Natürlich ist es praktisch, zahlreiche Daten von überall und von jedem Rechner aus per Webinterface abrufen zu können. Natürlich spart es ungemein viele Ressourcen, wenn wir nicht für eine Neuinstallation mühsam alle Dokumente und Bookmarks rüber kopieren müssen, sonder direkt durchstarten können.

Aber wie ma.gnolia gerade zeigt -- und solche Pannen können auch Yahoo, Google, Microsoft, oder Apples MobileMe betreffen -- entbindet uns das nicht davor, regelmäßig ernsthafte Backups zu machen. Und da wird's dann schwierig. In Goolge Docs müsste ich jedes Dokument von Hand exportieren -- lästig. Anderer Services lassen den Export nur unter Verlust von Metadaten wie z.B. den Tags zu. Wieder andere Anbieter kochen komplett ihr eigenes Süppchen, so dass man niemals seine Daten zurückbekommen und mitnehmen kann.

Ich für meinen Teil habe eine Lektion gelernt: Bevor ich in Zukunft bei irgendeinem Dienst Daten ablege, schaue ich zuerst nach, ob ich sie da auch komplett wieder rausbekomme. Wenn's geht automatisiert und regelmäßig.

Bei diesem konkreten Desaster bin ich zum Glück noch mal mit einem Blauen Auge davon gekommen: Gestern hab ich noch ein bisschen an dieser Seite gefummelt, da ich gerne meine neuesten Bookmarks automatisch in der Seitenleiste präsentieren wollte. Das hat zwar nicht so geklappt wie ich wollte, aber aus dem Grund hab ich neben unvollständigen Kopien der RSS-Feeds auch einen vollständigen Dump einschließlich Tags und so... Puh.

Apropos: Wer seine Bookmarks trotzdem noch online verwalten will, dem sei das Zootool empfohlen (Danke, Mo!). Mich verwirrt zwar die Bezeichnung von "Bookmark" als "Fang" und "Bookmarksammlung" als "Gehege" ein wenig, aber dafür ist das Speichern und vor allem das Abrufen von Seiten wirklich ganz ausgezeichnet realisiert:

Das ganze erinnert ein wenig an Spotlight oder eher iTunes: Suchtext eingeben, blitzschnell verschwinden alle Items die nicht mehr passen und übrig bleiben die wenigen Seiten, die noch in Frage kommen. So verfeinert oder verändert man dann die SUche, bis nur noch die richtige Seite übrig ist. Damit man die ganz besonders schnell erkennen kann, werden nicht die Tages oder Seitentitel angezeigt, sondern Thumbnails der Seite. So reicht eine vage Erinnerung an das Layout der Seite, um diese blitzschnell rausfischen zu können.

Auch nett: Es können nicht nur Seiten abgespeichert werden, sondern auch einzelne Bilder oder Videos. Was mir dabei noch Fehlt ist eine Funktion wie bei ma.gnolia: Dort wurde immer eine Kopie der gebookmarkten Seite angelegt: Für den Fall, dass die Seite mal aus dem Netz verschwindet...

Sehr unterhaltsam übrigens das Video "Web Crash 2007" vom Onion News Network.

There are 5 Comments

zotero wäre dann vieleict auch einen Blick wärt - http://www.zotero.org/ ist zwar eine liteaturverwltung - vewaltet aber auch webseiten, filme bilder etc .... grüsse ezra

Ich verwalte meine Literatur hauptsächlich mit BibDesk. Als digitalen Zettelkasten verwende ich das absolut großartige Journler für OSX (http://lipflip.org/blog/lipflip/2008/06/getting-things-done-for-real). Nachteil jeweils, dass die Daten nicht im Netz liegen (Backup/Erreichbarkeit).

Ich habe ein ähnliches Problem mit feedbruner. Die ziehen um zu Google Adsense und wenn ich nicht mit umziehe, dann verliere ich alles subscriber die über feedburner meinem blog folgen.

Ja das nervt schon.

Andererseits kannst Du ja auch in einem Posting auf eine neue Feed-URL hinweisen und dann den Feed abdrehen. Bei einem interessanten Blog, das ich regelmäßig lese, komme ich mit, bei den Blogs die eh nur in meinem Feedreader verstauben nicht.

Ich erfreu mich zwar auch immer an Statistiken, weiß aber auch, dass da ne Menge Karteileichen (und Bots) dranhängen, die weder meine Seite lesen, noch durch Kommentare zu irgendetwas beitragen. Insofern ist ein Umzug ein ganz gutes Mittel, um die echten Leserzahlen zu ermitteln.

Ich gleiche meine Bookmarks zwischen allen Feuerfüchsen mit Foxmarks ab. Damit sind sie überall gleich, falls denen mal die Daten verloren gehen habe ich sie immer noch lokal, und die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl deren Server als auch alle meine Browserdaten gleichzeitig down gehen ist wohl vernachlässigbar. Statt Journler benutze ich mittlerweile Evernote. Auch da kann man seine Notebooks auf dem Server speichern und - das beste überhaupt - von überall her per eMail eine neue Notiz anlegen. Und für die wirklich sensitiven Infos kann man das externe syncen auch abstellen und sich auf sein lokales Backup verlassen. E